Bergstrasse 2

87600 Kaufbeuren

Telefon: +49 8341 / 90 93 67 - 100

Fax:       +49 8341 / 90 93 67 - 25

Email: info@radiologie-kaufbeuren.de

© 2015 Radiologie Kaufbeuren | Impressum

Navigation

Aufklärungsbögen

Viele Krebspatienten mit Prostata-, Brust- oder Lungenkrebs leiden unter schmerzhaften Knochenmetastasen, die ihre Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Für die Entstehung des Schmerzes gibt es unterschiedliche Gründe: zu Beispiel mechanische und chemische Einflüsse, wenn der Tumor in den Knochen hineinwächst, dabei Schmerzstoffe freisetzt oder Nerven reizt. Oft lassen sich diese Knochenschmerzen auch mit sehr wirksamen Schmerzmitteln nur unzureichend unterdrücken. Der behandelnde Arzt kann die Dosierung nicht beliebig steigern, er muss z. B. bei Opiaten auch Nebenwirkungen wie Verstopfung, Müdigkeit und Atmungsprobleme beachten. Eine wirksame Ergänzung, gegebenenfalls sogar eine Alternative zur medikamentösen Schmerztherapie mit starken Nebenwirkungen, bietet die enossale Radionuklidtherapie.

Enossale Radionuklidtherapie

Wie wirkt die Radionuklidtherapie?

 

Die Radionuklidtherapie setzt genau da an, wo der Schmerz entsteht. In vielen Knochenmetastasen wird neue Knochensubstanz aufgebaut. Dazu verwendet der Körper Bausteine wie Kalzium oder Phosphat. Bietet man ihm ähnliche Bausteine an, die radioaktiv sind, baut er sie ebenfalls in die neue Knochensubstanz ein. So kann man die Knochenmetastasen in einem Skelettszintigramm nachweisen, und genauso funktioniert auch die Radionuklidtherapie. Dabei wird zum Beispiel das Radionuklid Samarium-153 eingesetzt. Die Strahlung ist aber viel höher als bei einer diagnostischen Skelettszintigraphie. Das muss auch so sein, denn die Strahlung schädigt die Tumorzellen in den Metastasen. In der Folge geht der Schmerz zurück oder verschwindet manchmal sogar vollständig. Gesundes Gewebe wird weitgehend geschont, weil es das Radionuklid nicht aufnimmt und die Strahlung nur eine Reichweite von einigen Millimetern hat und somit das gesunde Gewebe kaum erreicht.

 

Wie wird die Radionuklidtherapie eingesetzt?

 

Die Radionuklidtherapie wird von einem Nuklearmediziner durchgeführt, der eng mit Ihrem Arzt zusammenarbeitet. Vor der Behandlung wird eine Skelettszintigraphie durchgeführt, um die Metastasen nachzuweisen und zu zeigen, dass es sich um Metastasen handelt, die Knochensubstanz aufbauen. Nur in diesem Fall kann die Radionuklidtherapie wirken. Die Radionuklidtherapie hat geringe Nebenwirkungen. Es kommt aber immer zu einer vorübergehenden, in der Regel leichten Beeinträchtigung des Blutbildes. Deshalb muss vor der Behandlung kontrolliert werden, ob der Patient ausreichend weiße Blutkörperchen und -plättchen hat (z.B. nach einer Chemo- oder Strahlentherapie). Auch die Nierenfunktion wird über die Blutwerte kontrolliert. Die Anwendung der Radionuklidtherapie ist unkompliziert und erfolgt meist ambulant. Das Radionuklid wird in eine Armvene gespritzt. Der Großteil der Substanz wird schnell in die Knochenmetastasen eingebaut. Der Rest wird innerhalb einiger Stunden über die Nieren ausgeschieden. Um die Ausscheidung zu unterstützen, sollte man vor und nach der Behandlung möglichst viel trinken. Man muss nach der Behandlung gegebenenfalls noch einige Stunden beim Nuklearmediziner bleiben. In dieser Zeit wird auch ein Verteilungsszintigramm angefertigt, um zu dokumentieren, dass das Radionuklid in den Knochen-metastasen eingelagert ist.

 

Was hat man nach einer Radionuklidtherapie zu erwarten?

 

Die Radionuklidtherapie führt bei 80 % der Patienten zu einer Schmerzlinderung, ca. 25 % der Patienten werden sogar schmerzfrei. Die Wirkung setzt nach etwa drei bis sieben Tagen ein. Gegebenenfalls kann man nach einer Woche zusammen mit seinem Arzt beginnen, die Schmerzmedikamente schrittweise zu reduzieren. In den folgenden Wochen wird auch regelmäßig kontrolliert, ob die Veränderungen des Blutbildes in einem normalen Rahmen bleiben oder ob diese behandelt werden müssen. Gelegentlich kann es in den ersten Tagen nach der Behandlung zu einer kurzfristigen Verstärkung der Schmerzen kommen. Deshalb sollte man mit der Reduzierung der Schmerzmittel auch erst nach frühestens einer Woche beginnen. Die Wirkung der Radionuklidtherapie hält dann etwa vier Monate an, gelegentlich auch länger; man kann sie danach auch wiederholen.

 

Wann die Blutkontrollen durchgeführt werden und in welchem Umfang die Schmerzmedikamente reduziert werden können, bespricht man mit dem Arzt, der zur Radionuklidtherapie überwiesen hat.

 

Gibt es bei der Radionuklidtherapie Besonderes zu beachten?

 

Durch die Schmerztherapie mit einem Radionuklid wird das alltägliche Leben kaum beeinträchtigt. Einige Hinweise sollten jedoch Beachtung finden:

 

• Es sollten vor der Gabe des Radionuklids zumindest 2 Tassen Wasser, Tee oder Saft getrunken werden, um die Blase zu füllen. Nach

 der Injektion des Radionuklids sollte reichlich Flüssigkeit zu sich genommen werden, um die Ausscheidung der Radioaktivität in den

 ersten Stunden zu fördern.

• Beim Toilettengang sollte peinlichst auf Sauberkeit geachtet werden: Im Sitzen urinieren, um Spritzer zu vermeiden – an den ersten  

 zwei Tagen zweimal spülen – die Hände gründlichst waschen.

• Falls Blut oder Urin die Kleidung beschmutzt, sollte die Wäsche separat gewaschen oder vor dem Waschgang zwei Wochen gelagert

 werden.

 

Da später nur noch wenig Strahlung den Körper verlässt, sind beim Kontakt mit Angehörigen keine besonderen Vorsichtsmaßnahmen notwendig. Man sollte aber in der ersten Woche längere enge Kontakte zu Schwangeren und Kleinkindern vermeiden, um eine unnötige Strahlenbelastung auszuschließen.

 

Aufklärungsbogen Enossale Radionuklidtherapie